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EigenSinn und Psychose

07.09.2015 | 15.00-17.00

Psychoseerfahrene sind in vielfacher Weise eigensinnig: Ihre Sinne gehen eigene Wege. Sie sind auf der Suche nach Eigenheit (eigenen Grenzen) und Sinn (Bedeutung für andere). Damit verpfl ichten Sie nebenbei Psychothe-rapie und Sozialpsychiatrie zur Zusammenarbeit. Und: viele von ihnen sind eigensinnig im Umgang mit Hilfe. Sie entwickeln ein eigensinniges Krankheitskonzept, fragen nach Sinn und und Bedeutung ihrer Erfahrungen und prüfen ihr (familiäres und professionelles) Gegenüber sehr genau, wie ernst ein Beziehungsangebot gemeint ist. Die Psychiatrie antwortet oft immer noch mit unzu-länglichen Strukturen und simplen Krankheitskonzepten: Wie zwei Monster bewachen "Krankheitseinsicht" und "Compliance" das Tor zu den modernen Hilfen. "Noncom-pliance", die vermeintliche Verweigerung der Zusammen-arbeit, erscheint als Krankheitsmerkmal, das die Prognose verschlechtert und nicht als Ausdruck misslungener Kooperation, für die beide Seiten verantwortlich sind. Gerade von eigensinnigen Patienten können wir viel lernen über die Bedeutung von Psychosen, die notwen-digen strukturellen Veränderungen der Psychiatrie, über angemessene Beziehungskultur, meint Thomas Bock.

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