- 04/03/2026
- Dörte Herfarth
- sonstiges
Ulf Michaels – im AWO Psychiatriezentrum (APZ) Königslutter ist er vielen als Handwerker der Tischlerei bekannt. Doch abseits von der Tischlerei und der Holzarbeit entfaltet er eine ganz andere Kreativität – eine malerische. Spontaner Realismus, so nennt sich der Stil, in dem er malt. Aber was ist Spontaner Realismus überhaupt? Es ist eine Kunstrichtung, bei der Bilder ohne Vorzeichnung und festen Plan direkt aus dem Moment heraus entstehen. Das Bild entwickelt sich intuitiv während des Malens und hält den Augenblick fest, statt einer vorher festgelegten Idee zu folgen.
Die Werke von Ulf Micheals sind Unikate. „Jedes Bild existiert nur ein einziges Mal“, erzählt er. Entstanden überwiegend mit Acrylfarben, werden seine Arbeiten ab und zu durch ungewöhnliche Materialien wie Eierschalen, Kaffeesatz oder Löwenzahn ergänzt. Neben der klassischen Malerei setze Micheals gelegentlich auch die Spachteltechnik ein. Diese Materialvielfalt verleiht den Bildern eine besondere Tiefe, Struktur und Eigenständigkeit.
Nach einem Unfall im Jahr 2012 fand Ulf Micheals wieder zur Malerei. Sie wurde für ihn ein Weg, den beruflichen Stress hinter sich zu lassen und abzuschalten. Was zunächst als persönlicher Ausgleich begann, entwickelte sich zu einer Form des künstlerischen Ausdrucks. „So wie meine Laune ist beim Malen, so wird dann auch das Bild“, erklärt er. Farben sind für ihn dabei mehr als Gestaltungsmittel – sie transportieren seine Emotionen, Stimmungen und inneren Prozesse, die sich direkt auf der Leinwand widerspiegeln. „Jedes gemalte Bild ist für mich mit einer eigenen persönlichen Geschichte verbunden“, betont er. Seine Werke zeigt er grundsätzlich erst dann, wenn sie für ihn vollständig abgeschlossen sind.
In seinem eigenen Atelier zu Hause befinden sich zahlreiche Werke – fertige ebenso wie unfertige. Wie lange er für ein Bild braucht kann er nur schwer beantworten, erklärt er: „Manche Bilder fange ich an und dann stehen sie ein halbes Jahr im Atelier, da ich das Gefühl verloren habe. Wenn ich für das Bild wieder in Stimmung bin, male ich es weiter.“ Ulf Micheals kann nicht unter Druck malen, „Ein Bild entsteht nur dann, wenn ich mich voll und ganz darauf einlassen kann, dafür muss ich unter anderem allein sein“, sagt er. Meist genügt ihm ein grobes Motiv im Kopf – die Farbgebung entwickelt sich spontan aus der jeweiligen Laune heraus. Wie er selbst sagt: „Das Motiv ist ganz oft nur die Hülle der Farbe“.
Er prägt den Entstehungsprozess seiner Werke von Anfang bis Ende vollständig selbst. „Ich baue die Rahmen, spanne die Leinwände und fange dann mit dem Malen an“, betont er. Diese handwerkliche Eigenleistung ist für ihn ein wichtiger Bestandteil seiner Kunst, da sie eine enge Verbindung zwischen Künstler, Material und Werk schafft.
Auch im APZ hängen Leihgaben von ihm, unter anderem beim Betriebsrat. Gerne würde er seine Werke öffentlich ausstellen, doch gestaltet sich dies im Landkreis Helmstedt schwierig. „Häufig werden Künstler bevorzugt, die von ihrer Kunst leben müssen“, erklärt er.
Am Ende zeigen seine Werke vor allem eines: Persönlichkeit. Jedes Bild ist Ausdruck einer Stimmung, eines Gefühls und eines bestimmten Moments.


