Genesungsbegleitung: ein Erfolg im APZ
Mitarbeitende der Genesungsbegleitung

Wer selbst schon mal eine psychische Krise erlebt hat, weiß, wie wichtig Verständnis, Zuspruch und praktische Orientierung sind. Betroffene brauchen oft nicht nur die medizinisch-therapeutische Behandlung, sondern auch jemanden, der ihre Erfahrungen versteht und Orientierung geben kann. Genau hier setzen die Genesungsbegleiter an: Sie unterstützen Betroffene auf ihrem Weg in den Alltag, machen Mut und zeigen Wege auf, wie Genesung gelingen kann. Mit ihrem eigenen Erfahrungshintergrund bringen sie eine Perspektive ein, die viele Patientinnen und Patienten als besonders hilfreich erleben. So entsteht Unterstützung auf Augenhöhe – ein Ansatz, der in der psychiatrischen Versorgung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im AWO Psychiatriezentrum (APZ) Königslutter hat sich das Konzept der Genesungsbegleitung in den vergangenen Jahren erfolgreich etabliert. Seit 2017 sind Genesungsbegleiter Teil des Behandlungsteams. Was zunächst mit vier Mitarbeitenden begann, ist inzwischen auf 14 angewachsen. Die Entwicklung zeigt, wie wertvoll diese Form der Unterstützung für den Genesungsprozess sein kann – und wie nachhaltig sie den Klinikalltag bereichert.

„Der Erfolg des Angebots zeigt sich täglich – sowohl für unsere Patientinnen und Patienten als auch für die Mitarbeitenden in den multiprofessionellen Teams“, betont Annemarie Bartsch von der Klinikpflegeleitung. „Durch ihre Erfahrungen mit psychischen Krisen und Genesungsprozessen bringen EX-IN Genesungsbegleiter eine besondere Perspektive in die Behandlung ein. „Sie schaffen Zugänge, fördern Hoffnung und unterstützen Betroffene auf Augenhöhe.“

Von Anfang an mit dabei ist Nicole Semmler. Sie war die erste zertifizierte Genesungsbegleiterin mit Berufserfahrung im APZ und ist neben ihrer Arbeit in der Klinik mittlerweile auch als Ausbilderin für künftige Genesungsbegleiter tätig. Sie hat die Entwicklung der Genesungsbegleitung im Haus von Beginn an miterlebt. „In den vergangenen Jahren hat sich viel getan im APZ – nicht nur, dass ich mittlerweile 13 weitere Kolleginnen und Kollegen in der Genesungsbegleitung habe“, berichtet sie. „2016 informierte sich das APZ auf einem Infotag in Braunschweig über das Projekt informiert und war sofort interessiert“, erinnert sie sich. Schon ein halbes Jahr später wurde das Konzept mit drei Genesungsbegleitern implementiert. Was zunächst es auf ein Jahr begrenzt war, ist mittlerweile nicht mehr aus dem APZ-Klinikalltag wegzudenken. Während der Arbeitsmarkt zertifizierten Genesungsbegleitern lange verschlossen blieb, stellte das APZ weiter ein. „In den vergangenen Jahren haben wir im therapeutischen Setting immer mehr Fuß gefasst“, erklärt Semmler. War am Anfang noch nicht ganz klar, welche Rolle die Genesungsbegleiter auf Station übernehmen sollen, „hat sich mittlerweile ein natürlicher Umgang mit dem pflegerischen, ärztlichen und psychiatrischen Kollegen entwickelt – ein Umgang auf Augenhöhe. Eine Erklärung unserer Rolle im Team ist nicht mehr nötig“, betont Semmler den Umgang mit dem Stationskollegen. „Die Kollegen der Genesungsbegleitung ermöglichen neue Blickwinkel auf die Lebenssituation unserer Patienten und bereichern dadurch die gemeinsame Arbeit. Sie tragen dazu bei, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln und die Versorgung noch stärker an den Bedürfnissen der Patienten auszurichten“, erläutert Annemarie Bartsch. „Und für die Patienten ist es eine niedrigschwellige Erreichbarkeit. Wir treffen uns auf einer Beziehungsebene, die geprägt ist von Erfahrungsaustausch und Gesprächen außerhalb der Klinikstrukturen.“

Vor kurzem haben die Genesungsbegleiter eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, „in der wir Sachen entwickeln und Projekte ausprobieren können. „So haben wir zuletzt die Peer-Beratung ins Leben gerufen“, erklärt Semmler. „So können einmal wöchentlich Betroffene, Angehörige, aber auch Fachpersonal mit uns in Kontakt treten.“

Aufgrund der positiven Erfahrungen werde derzeit daran gearbeitet, das Konzept auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie zu etablieren. „Ziel ist es, jungen Menschen und ihren Familien künftig ebenfalls die wertvolle Unterstützung durch Genesungsbegleitung zugänglich zu machen“, erklärt Annemarie Bartsch. „Die Entwicklung der EX-IN Genesungsbegleitung in unserer Klinik zeigt eindrucksvoll, wie aus einer innovativen Idee, ein fester Bestandteil moderner psychiatrischer Versorgung werden kann.“

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